Der Joker (SWF 198

Ein Kriminalhörspiel nach Motiven von Edgar Wallace
Manuskript: Florian Pauer
Higgins: Guten Morgen, Ann.
Ann Pattison: Ich darf Sie darauf hinweisen, daß es bereits viertel vor elf ist, haben Sie verschlafen, Inspektor?
Higgins: Und wenn es so wäre? Ist Sir John schon da?
Ann Pattison: Allerdings.
Sir John: Ann Pattison, ist Higgins endlich da?
Ann Pattison: Ja, Sir John, er ist soeben gekommen.
Sir John: Dann schicken Sie ihn sofort rein.
Ann Pattison: Ja, Sir John. Sehen Sie, er wartet bereits seit zwei Stunden auf Sie. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann seien Sie heute freundlich zu ihm. Er ist nämlich gestern zum dritten Mal bei der Fahrprüfung durchgefallen und hat eine fürchterliche Laune.
Higgins: Ja, wie gewöhnlich. Also dann werde ich mich mal in die Höhle des Löwen wagen. Guten Morgen, Sir.
Sir John: Ah, da sind Sie ja endlich Higgins, guten Morgen, ja, jetzt beantworten Sie mir einmal eine Frage. Bin ich Verkehrspolizist oder Chef von Scotland Yard?
Higgins: Selbstverständlich der Chef von Scotland Yard, Sir.
Sir John: Schön, schön, dann erklären Sie mir einmal, wieso ein einfacher Verkehrsunfall auf meinem Schreibtisch landet.
Higgins: Ein Verkehrsunfall auf Ihrem Schreibtisch?
Sir John: Ja, ein Verkehrsunfall, sag ich doch. Ein Mann wurde vorgestern Nacht von einem wahrscheinlich betrunkenen Autofahrer angefahren und getötet, der anschließend Fahrerflucht beging, das übliche halt. Heutzutage fährt ja alles schon Auto, jeder Idiot bekommt ja einen Führerschein, und wenn’s kracht, belästigt man jetzt schon mich damit, als ob wir hier nicht genügend andere Probleme hätten.
Higgins: Ja, sehr bedauerlich, wirklich. Übrigens, haben Sie gestern Ihre Fahrprüfung bestanden, Sir John, darf man gratulieren?
Sir John: Äh nein, nein, nein, es gab da ein Mißverständnis, der Prüfer war so ein sturer Hund, äh, Sie kennen ja diese Sorte, aber im Moment beschäftigt mich diese andere Sache.
Higgins: Sir John, diese Angelegenheit ist keine Lappalie. Ich habe gestern abend diesen sogenannten Verkehrsunfall und seine Begleitumstände etwas genauer unter die Lupe genommen, ich habe den Eindruck, daß sich bereits einige Reporter unsere Köpfe zerbrechen.
Sir John: Was soll das heißen?
Higgins: Haben Sie schon die heutige Ausgabe des Daily Mirror gelesen?
Sir John: Nein, nein, nein.
Higgins: Ich darf zitieren: Wieder tödlicher Unfall mit Fahrerflucht, Experten glauben nicht mehr an Zufall.
Sir John: Und?
Higgins: Sir, ich habe mit den Kollegen vom Unfallkommando gesprochen, die Sache von vorgestern Nacht ist bereits der vierte Autounfall mit tödlichem Ausgang und anschließender Fahrerflucht innerhalb weniger Wochen, und das immer in der Nacht. Von Augenzeugen, so es welche gibt, wird zumeist eine dunkle Limousine erwähnt, und diesmal haben wir die Aussage einer Frau, die mir doch sehr zu denken gibt. Nach ihren Angaben hat die dunkle Limousine in einer Seitenstraße vom Kensington Park gewartet und war dann mit voller Absicht auf den Mann zugerast.
Sir John: Sind Sie sicher? Das wäre ein glatter Mordanschlag.
Higgins: Die Frau konnte nicht schlafen und stand am Fenster, dadurch bekam sie alles genau mit, wir haben ihre schriftliche Aussage.
Sir John: Ja, ist ja ungeheuerlich.
Higgins: Ja, es ist ungeheuerlich, aber es ist noch nicht alles. Der Mann von vorgestern Nacht hieß Jugent Pelford, ein alter Kunde von uns, wir haben ihn in unserer Kartei, er hat einige Jahre in Dartmoor abgesessen.
Sir John: Ja, ja, und?
Higgins: Das hat mich stutzig gemacht. Ich habe mir die Dossiers der anderen ungeklärten Autounfälle angesehen, wissen Sie, wer die Opfer waren? Mike Brett, Piet Fletcher, Derrick Hardley, allesamt schwere Jungs, hier ein Raubüberfall, da ein Todschlag, und so weiter und so weiter, man könnte meinen, hier hat jemand die halbe Londoner Unterwelt ins Visier genommen.
Sir John: Moment, Higgins, ich gebe ja zu, daß das alles sehr auffällig ist, aber ich würde keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei den vielen hundert Verkehrstoten, die wir Jahr aus Jahr ein haben, kann es auch nichts weiter als ein böser Zufall sein, vielleicht hat die Zeugin auch eine etwas lebhafte Fantasie.
Higgins: Möglich, Sir, aber nachdem, was ich bis jetzt in Erfahrung bringen konnte, kann ich nicht mehr an Zufall glauben, Sir John, aber das beste kommt noch. Bei Pelford, also dem Toten von vorgestern Nacht, fand man das.
Sir John: Was ist das?
Higgins: Eine Spielkarte, ein Jolly Joker, mit einem handschriftlichen Vermerk, Montag 22 Uhr, man fand sie in Pelfords Brieftasche. Fällt Ihnen etwas auf, Sir John?
Sir John: Sprechen Sie nicht in Rätseln, was meinen Sie damit?
Higgins: Vorgestern war Montag, und gegen 22 Uhr 30 wurde Pelford...
Sir John: Überfahren.
Higgins: Ich würde sagen, ermordet, Sir John, und das ist meine feste Überzeugung.
Sir John: Das ist bis jetzt nur eine Hypothese, und zwar Ihre Hypothese, Higgins, aber gut, bleiben Sie an dem Fall dran, Sie haben meine volle Unterstützung. Übrigens habe ich diesmal einen Assistenten für Sie.
Higgins: Wie bitte? Einen Assistenten für mich?
Sir John: Ja, Superintendant Lane, Sir Eric hat ihn uns geschickt, eine Leihgabe aus Nottingham sozusagen, gehen Sie nur ins Nebenzimmer, er wartet schon auf Sie.
Higgins: Einen Assistenten.
Lane: Hallo.
Higgins: Hallo. Sie sind Superintendant Lane.
Lane: Für Sie Barbara. Sind Sie sehr enttäuscht, Chiefinspektor?
Higgins: Nein, nein nein, keineswegs, so angenehme Überraschungen sind bei uns im Haus wahrlich nicht alltäglich, also kann ich nur sagen, willkommen in London.
Lane: Danke.
Higgins: Sagen Sie, wieso wurden Sie uns zugeteilt, Sir Eric konnte doch von unserem Problem noch nichts wissen.
Lane: Nein, das konnte er auch nicht, aber ich weiß eigentlich auch nicht, worum es geht. Nachdem ich diesen Ken Russel hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, wurde es in Nottingham ein wenig langweilig, und Sir Eric meinte, ein Klimawechsel könnte mir sehr gut tun.
Higgins: Ken Russel, den haben Sie aus dem Verkehr gezogen, den Mann, der mit Computermanipulationen 8 Millionen Pfund ergaunert hat?
Lane: Genau den.
Higgins: Mein Kompliment.
Sir John: Na, haben Sie sich schon angefreundet?
Higgins: Danke Sir.
Ann Pattison: Sir John.
Sir John: Ja?
Ann Pattison: Entschuldigen Sie die Störung, Sir John, aber da draußen ist jemand, der Inspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Reynolds.
Higgins: Etwa Billy Reynolds?
Ann Pattison: Ja.
Higgins: Rein mit ihm.
Ann Pattison: Ja. Sie sollen reinkommen.
Reynolds: Inspektor?
Higgins: Sieh mal einer an, daß Sie mir in meinem Leben noch einmal ohne Handschellen gegenüberstehen würden, hätte ich auch nicht gedacht, Reynolds.
Reynolds: Sehr witzig, Inspektor. Ich möchte das hier abliefern.
Higgins: Interessant. Sir, sehen Sie sich das einmal an.
Sir John: Was ist denn das, Higgins? Ist das die Beute aus dem Serapju-Coup?
Lane: Serapju-Coup?
Higgins: Ja. Sie sollten wissen, Kollegin, vor etwa zwei Monaten gab ein jordanischer Ölscheich eine Galaparty auf seinem Landsitz hier in der Nähe von London. Nachdem die Gäste gegangen waren, war er um Juwelen im Werte von 300.000 Pfund erleichtert. Dieser Gentleman, der jetzt so reumütig vor uns steht, war daran offenbar nicht ganz unbeteiligt. Saubere Arbeit, Reynolds, aber soweit ich das auf den ersten Blick sehe, ist das nur die Hälfte der Juwelen.
Reynolds: Mir wäre auch wohler in meiner Haut, Inspektor, wenn ich alles zurückgeben könnte.
Higgins: Mein lieber Reynolds, Sie werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, daß Sie uns eine Erklärung schuldig sind, oder?
Reynolds: Ja. Sehen Sie sich das an, Inspektor.
Higgins: Das wäre also die Nummer zwei. Glauben Sie immer noch an Zufall, Sir John?
Lane: Ja was ist denn das? Eine Spielkarte, eine Jolly-Joker-Karte. Was steht da? Donnerstag 18 Uhr, bleiben Sie am Telefon, J.
Sir John: Ja und was soll dieses J. bedeuten?
Higgins: Reynolds, haben Sie das Diamanten-Ding etwa mit Pelford gedreht?
Reynolds: Ja, aber Pelford ist tot, und deshalb bin ich hier. Sie sind verpflichtet, mich zu schützen, Inspektor, mein Leben ist bedroht.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt doch nicht, alles der Reihe nach.
Ann Pattison: Aber Sir John.
Sir John: Reynolds, was soll dieses J. bedeuten?
Reynolds: Das J steht für Joker. Noch nie von ihm gehört? Er terrorisiert seit Monaten die gesamte Londoner Unterwelt. Seine Methode ist einfach und sicher zugleich. Wenn irgendwo ein Ding gedreht wird, ist er der erste, der davon Wind bekommt, und mit Morddrohungen erpreßt er die Herausgabe von 90 Prozent der Beute. Keiner, der darauf nicht eingegangen ist, hat überlebt.
Higgins: Gehörten Mike Brett und Piet Fletcher auch dazu?
Reynolds: Fletcher? Hat’s den etwa auch erwischt? Von Brett wußte ich’s, aber von Flechter...
Higgins: Fletcher wurde vor ungefähr 14 Tagen von einem Auto angefahren und tödlich verletzt.
Reynolds: Der also auch. Pelford und ich hatten noch vor nicht allzulanger Zeit im Montmartre mit ihm gesprochen. Allerdings verstehe ich das nicht ganz, Fletcher war doch bereit, auf die Forderung des Jokers einzugehen.
Sir John: Sie sagen, der Joker ist der erste, der von einem Coup erfährt, Mr. Reynolds, woher weiß er es?
Reynolds: Tja, er weiß es eben.
Lane: Tja, und seit dem Serapju-Coup hat er nun Sie im Visier.
Reynolds: Sie sagen es. Pelford war dagegen, den Erpressungen des Jokers nachzugeben, wir teilten die Beute und trennten uns, aber weit ist er ja nicht gekommen, und ich bin wahrscheinlich der nächste!
Higgins: Hören Sie zu, Reynolds, wir werden Ihnen helfen, in Ihrem Interesse, aber bevor wir das tun, eine Frage, da Sie ja mit der Londoner Unterwelt so intim befreundet sind, gibt es einen Anhaltspunkt, irgend ein Indiz, wer der Joker sein könnte?
Reynolds: Nein, das einzige, was wir wissen ist, daß er diese dunkle Limousine fährt, n’ schwarzen Jaguar.
Lane: Wann will er mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen?
Reynolds: Donnerstag, also morgen um 18 Uhr, steht ja auf der Karte.
Higgins: Wo wohnen Sie?
Reynolds: Wir hatten ein Zimmer im Eastend gemietet.
Higgins: Schön, dann fahren Sie dorthin, Sie bekommen zwei Mann Begleitung, einen in die Wohnung, einer bleibt unauffällig vor Ihrem Haus. Wenn sich der Joker meldet, gehen Sie auf seine Forderung ein, den Rest erledigen wir.
Reynolds: Was haben Sie vor?
Higgins: Wahrscheinlich sollen Sie die Juwelen irgendwo deponieren, entweder an einem entlegenen Ort oder mitten in der Stadt, wo der Joker im Verkehrsgewühl rasch wieder untertauchen kann. Sie hinterlegen jedenfalls das Zeug, wo immer er will, und verschwinden dann so rasch wie möglich, wenn er’s abholt, schnappen wir ihn uns.
Lane: Glauben Sie wirklich, daß er persönlich kommen wird?
Higgins: Auch wenn er nur einen Mittelsmann schickt, bringt uns das weiter. Nach unserer bisherigen Kenntnis seiner Arbeitsmethode dürfte er wohl kaum viele Mitarbeiter haben. Je weniger seine Identität kennen, desto sicherer kann er sich fühlen. Ihr Telefon, Reynolds, werden wir selbstverständlich auch abhören.
Reynolds: Und Sie können meinen absoluten Schutz garantieren?
Sir John: Ja ein bißchen was müssen Sie schon riskieren, Reynolds, wenn Sie aus der Sache mit einem blauen Auge rauskommen wollen. Bisher waren Sie ja auch nicht zimperlich.
Reynolds: Nein, aber der Joker...
Higgins: Der Joker, der Joker, der Joker. Der Joker ist auch nur ein gewöhnlicher Krimineller und kein Phantom. Und je schneller wir diesem Spuk ein Ende bereiten, um so besser für alle Beteiligten, ja ja, sonst macht Sir John seinen Führerschein nie.
Sir John: Nanananananana, untergraben Sie da nicht meine Autorität vor diesem Gaunerpack, Higgins, mein Führerschein geht nur mich etwas an.
Sir John: Reynolds ist tot? Higgins, wie konnte das p***eren? Es war doch alles bis ins kleinste Detail vorbereitet!
Higgins: Richtig, Sir, Reynolds sollte die Juwelen in der Telefonzelle am Haymarket hinterlegen und sofort verschwinden.
Lane: Und daß dieser Reynolds 10 Meter vor der Telefonzelle niedergeschossen wird.
Higgins: Daß hat doch niemand erwarten können, Sir, daß der Joker die Beute sausen läßt und Reynolds liquidiert.
Sir John: Dieser Joker… was ist?
Ann Pattison: Es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Dieser Joker scheint allgegenwärtig zu sein.
Ann Pattison: Sir John.
Lane: Oder er hat einige brillant getarnte Spitzel.
Sir John: Sie sagen es, Miss Lane. Higgins, wir haben jetzt 5 Tote, und keinen einzigen brauchbaren Anhaltspunkt. Ich muß dem Minister Rede und Antwort stehen und Sie scheinen Jolly-Joker-Karten zu sammeln.
Higgins: Wir müssen dort weiterarbeiten, wo Reynolds aufgehört hat.
Sir John: Reynolds ist tot.
Higgins: Richtig Sir, Reynolds ist tot, auch Pelford und Fletcher. Sir John, können Sie sich erinnern, was Reynolds über Fletcher sagte, er und Pelford hätten zuletzt miteinander im Montmartre gesprochen, das scheint ein Pup zu sein oder irgendein Restaurant.
Sir John: Jaja, das ist so ein Nobelnachtklub irgendwo in Finsbury, wird ja nicht allzu schwierig sein, das herauszufinden.
Higgins: Ganz recht, Sir, also kommen Sie, Barbara, wir machen uns einen netten Abend. Sir John.
Lane: Sir.
Kellner: Was darf’s sein?
Lane: Ein Wodka Martini mit viel Eis, bitte.
Higgins: Für mich einen doppelten Scotch.
Kellner: Jawohl Sir.
Higgins: Rauchen Sie?
Lane: Danke nein.
Higgins: Aber ich doch.
Lane: Ganz schön was los hier.
Higgins: Ja, aber lassen Sie sich von der Schickeria nicht täuschen, soweit ich es auf den ersten Blick gesehen habe, sitzen hier mindestens 300 Jahre Dartmoor auf einem Haufen.
Lane: Oh wie beruhigend.
Kellner: Ihre Getränke.
Higgins: Danke.
Lane: Und Sie meinen, daß hier ist die richtige Adresse, um an den Joker heranzukommen.
Higgins: Ich hoffe es. Immerhin verkehrten hier Reynolds, Pelford und Fletcher. Außerdem.
Lane: Ist was?
Higgins: In der rechten hinteren Ecke sitzen fünf Männer an einem Tisch, sehen Sie hin, aber unauffällig. Der Graumelierte mit dem Bürstenha***nitt, der sein Gesicht halb abgewandt hat, kennen Sie ihn?
Lane: Hm. Irgendwie kommt er mir bekannt vor.
Higgins: Ja, das ist Tom Silkwood. Hm, im Yard hat er den Spitznamen der Amerikaner.
Lane: Aha, und was wissen Sie noch über ihn?
Higgins: Ja, er wurde in den 50er Jahren aus England ausgewiesen, hat einige tolle Dinger gedreht, nur beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ging dann nach Amerika, wo er mit der gleichen Methode arbeitete, gut ein halbes Dutzend Mal wurde Anklage gegen ihn erhoben, er wurde aber mangels Beweisen immer wieder freigesprochen. Man sagt ihm drüben übrigens gute Kontakte zur Mafia nach.
Lane: Und warum gibt es uns jetzt wieder die Ehre?
Higgins: Hm, wahrscheinlich ist er mit falschem Paß eingereist, aber wir werden das überprüfen. Wo Silkwood auftaucht, steckt meistens mehr dahinter als ein paar Tage Urlaub, er plant seine Coups generalstabsmäßig.
Lane: Schade, daß man nicht hören kann, was die da miteinander reden.
Higgins: Tja. Und wie gefällt Ihnen das Lokal sonst?
Lane: Hm, sonst, also der Martini Wodka ist passabel, die Einrichtung muß sündhaft teuer gewesen sein, also, so ganz recht mit ihren 300 Jahren Dartmoor haben Sie nicht, da kommt Sir Donald, Abgeordneter im Unterhaus.
Higgins: Bleiben wir bei der Einrichtung. Fällt Ihnen nichts auf?
Lane: Hm, die blaue Marmorkatze da an der Wand scheint mir ein wenig zu extravagant, die auffälligen Blumengestecke auf jedem Tisch.
Higgins: Eben. Man kann sie offenbar nicht verrücken.
Lane: Tatsächlich.
Higgins: Ich muß immer wieder an Reynolds denken, er hat eine Gaunerkarriere hinter sich, die sich wirklich sehen lassen konnte, und seine Komplizen waren auch mit allen Wassern gewaschen, aber auf die Frage, woher der Joker seine Informationen beziehen könnte, sagte er bloß, ja, er weiß es eben. Nein nein, dahinter muß ein ebenso einfacher wie raffinierter Trick stecken.
Lane: Ich beginne zu ahnen, was Sie meinen, Chiefinspektor.
Higgins: Tja, heute können wir hier sowieso nichts mehr tun, die beiden Streifen müssen ohnehin bald da sein, und Sie Barbara, sehen Sie bitte zu, daß Sie morgen etwas über diesen Laden hier in Erfahrung bringen können, wem er gehört, wie der Barmixer heißt, usw. usw.
Lane: Geht in Ordnung. Danke für den Drink, Chief.
Higgins: Oh, keine Ursache.
Ann Pattison: Verzeihen Sie die Störung, Sir John, hier ist jemand, der Chiefinspektor Higgins sprechen möchte.
Sir John: Wer ist das denn?
Ann Pattison: Ein gewisser Mr. Harras.
Higgins: Kenn ich nicht.
Sir John: Ja, soll hereinkommen.
Ann Pattison: Ja. Bitte, Mr. Harras.
Higgins: Mein Name ist Higgins, Sie wollten mich sprechen.
Harras: Ja, mein Name ist Harras, Josua Harras, ich bin Portier und Sekretär im Home of Peace, einem sehr angesehenen Pflegeheim für alte Leute in West Kensington.
Sir John: Ja, nehmen Sie doch bitte Platz, Mr. Harras.
Harras: Dankeschön.
Sir John: Was führt Sie zu uns?
Harras: Ja sehen Sie, in den letzten Tagen tauchten in den Zeitungen immer wieder Meldungen von äußerst mysteriösen Autounfällen auf, es wird das Gerücht kolportiert, daß es sich dabei nicht um gewöhnliche Unglücksfälle, sondern um Mordanschläge handelte.
Higgins: Erzählen Sie weiter, Mr. Harras.
Harras: Die Fotos der Opfer wurden in den Zeitungen abgebildet, und ich kenne zwei von ihnen. Äh, bei dem einen war ich mir erst nicht so sicher, sehen Sie, ich habe die betreffenden Artikel mitgenommen, von dem einen Mr. Pelford glaube ich, daß er einmal kurz bei uns zu Besuch gewesen ist, vom zweiten Mr. Fletcher, weiß ich es jedoch ganz bestimmt.
Higgins: Wann was das?
Harras: Das war vor ungefähr drei Wochen. Mr. Fletcher kam eines Vormittags zu uns und verlangte an der Rezeption ziemlich schroff Lady Smith zu sprechen. Sie müssen wissen, Lady Smith ist die Leiterin des Sanatoriums. Ich bat ihn also weiter ins Büro, nachdem ich Lady Smith von seinem Kommen informiert hatte, und sie ließ ihn kommentarlos eintreten. Ich konnte dann feststellen, daß hinter der verschlossenen Tür eine ziemlich heftige Debatte stattfand. Nach etwa 10 Minuten verließ Mr. Fletcher mit rotem Kopf das Büro und fuhr grußlos in seinem Wagen fort.
Higgins: Haben Sie mitbekommen, worum sich das Gespräch drehte?
Harras: Aber Mr. Higgins, ich pflege nicht an Türen zu lauschen.
Higgins: Ja, ja ja, ich bin davon überzeugt, Mr. Harras, aber da Sie selbst sagten, daß das Gespräch ziemlich heftig verlief, könnte es doch sein, daß Sie, ohne natürlich zu beabsichtigten, ein paar Worte aufgeschnappt haben.
Harras: Ja, ich glaube etwas von Unterbieten gehört zu haben und äh Schweinerei.
Sir John: Ja, das ist ja alles nicht sehr informativ.
Higgins: Namen fielen keine?
Harras: Ich habe keinen gehört, Inspektor.
Higgins: Sehr viel ist das nicht, was Sie uns zu berichten haben, Mr. Harras, aber wir werden der Sache auf den Grund gehen.
Sir John: Higgins, wenn Sie in jeder Bude nachsehen, wo die Kerle einmal vorbeigeschaut haben, kommen Sie nie ans Ziel.
Harras: Bude? Ich bitte Sie, Sir, ich habe nur getan, was ich für meine Pflicht hielt, nämlich Sie davon in Kenntnis zu setzen.
Higgins: Is ja gut, ist alles gut, wir sind Ihnen auch sehr dankbar. Guten Tag.
Sir John: Moment, Moment mal Mr. Harras, wo sagten Sie, liegt dieses Sanatorium?
Harras: In West Kensington, nahe der North End Road.
Sir John: Das ist eine noble Gegend.
Harras: Allerdings.
Sir John: Warum glauben Sie, kamen Pelford und Fletcher ins Sanatorium, hatten sie Verwandte im Heim oder wollten sie direkt zu Lady Smith?
Harras: Also, Pelford hab ich nur das eine Mal gesehen, was Mr. Fletcher betrifft, so kann ich das nicht beurteilen, äh, Sie müssen wissen, daß ich erst seit 5 Monaten im Home of Peace arbeite.
Sir John: Also, Mr. Harras, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie zu uns gekommen sind, aber genaugenommen sind Ihre Angaben zu dürftig, Sie müßten uns schon eindeutigere Hinweise geben, daß die Besuche von Mr. Pelford und Mr. Fletcher in Zusammenhang mit deren ungewöhnlichem Ableben stehen, ich schlage vor, Sie verschaffen sich einen genaueren Einblick in die Akte, und wenn Sie etwas finden, wovon Sie glauben, daß es von Bedeutung ist, dann kommen Sie wieder zu uns.
Harras: Ich werde mein Bestes tun, Sir.
Sir John: Merkwürdig, das ganze, Higgins.
Higgins: Ja, wenn ich ehrlich bin, zu denken gibt mir die Sache schon. Hm, da jagen wir diesem verdammten Geisterwagen nach, dessen Fahrer wir nicht kennen, wir haben ein halbes Dutzend Tote, die wahrscheinlich alle auf sein Konto gehen, und dann kommt so eine lächerliche Figur wie Harras zum Yard und behauptet aus heiterem Himmel, er kenne Pelford und Fletcher.
Sir John: Jaja, Sie machen das schon, Higgins.
Higgins: Genau Sir John und ebendarüber muß ich mit Ihnen ein ernstes Wort reden.
Sir John: Aber Higgins, ich bin um halb sechs im Klub verabredet.
Higgins: Ich bitte Sie um 5 Minuten, Sir. Als Sie mir den Fall übertrugen, sagten Sie mir volle Unterstützung zu.
Sir John: Ja die haben Sie ja. Sonst noch was?
Higgins: Wie ich Ihnen schon berichtete, Sir, war ich gestern im Montmartre.
Sir John: Ja, und seitdem werden der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Silkwood, ganz recht, und seine Leute rund um die Uhr beobachtet, und das Lokal auch.
Higgins: Das genügt mir nicht, ich will einen Durchsuchungsbefehl.
Sir John: Was denn, Sie wollen mit meinen Beamten das Montmartre auf den Kopf stellen?
Higgins: Sir John, Pelford, Reynolds, Fletcher, sie alle verkehrten dort, und sie alle kamen auf die Abschußliste des Jokers.
Sir John: Jaja ich weiß, aber ihnen ist vielleicht entgangen, daß dort auch ehrenwerte Mitglieder unserer Londoner Gesellschaft ihre Abendstunden zu verbringen pflegen, Politiker, Richter, Anwälte. Mein guter Freund Sir Donald zum Beispiel.
Higgins: Ja, er war gestern abend auch dort, mir kommen die Tränen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Joker unternehmen...
Sir John: Ich will kein Wort mehr hören, Higgins, tun Sie, was Sie nicht lassen können, aber ich werde es nicht zulassen, daß Sie dort Ihre Privatfete starten, bevor Sie mir handfeste Beweise auf den Tisch legen. Vorher sind das alles nur Vermutungen.
Higgins: Verstehe, Sir John, wenn ich erst mal auf meine Weise ein paar fette Indizien beschafft habe, dann stehen Sie ja ganz loyal zu Ihren Chiefinspektoren.
Sir John: Wie meinen Sie?
Higgins: Nein, nichts, ich wünsche einen schönen Abend.
Sir John: Ja wohin wollen Sie?
Higgins: Ich habe heute noch ein wichtiges Arbeitsessen vor mir, mit Superintendant Lane, man muß sich ja schließlich einmal kennen lernen, die Rechnung bekommen Sie morgen.
Lane: Hm, sagen Sie, Chiefinspektor, führen Sie Ihre Assistenten immer so vornehm aus?
Higgins: Bin ich Krösus? Hm, ich erinnere mich, wir hatten einmal einen Sergeant, Harvy hieß er, er bekam vom damaligen Chef Sir Artur immer die unangenehmsten Aufgaben übertragen, manchmal fuhren wir auch zusammen Streife, da waren Hamburger und Cola schon das allerhöchste der Gefühle.
Lane: Oh, das ist äußerst interessant. Heißt das, Sie wollen mich bei diesem schwierigen Fall nur bei Laune halten, hm mit diesem köstlichen File beispielsweise, bevor wir uns ernsthaft auf die Fährte des Jokers heften?
Higgins: Abgesehen von der Tatsache, daß ich noch nie einen so hübschen Assistenten hatte.
Lane: Noch nie?
Higgins: Fürchte ich, daß uns in der Tat noch schwere Tage bevorstehen, Wochen, Monate, was weiß ich.
Lane: Chiefinspektor...
Higgins: Higgins für Sie.
Lane: Oh, einen Vornamen haben Sie wohl nicht.
Higgins: Doch doch doch, nur verschweige ich ihn meistens. Meine Intimfeinde nennen mich Chiefinspektor Higgi.
Lane: Und Ihre Intimfreunde?
Higgins: Higgi.
Lane: Also gut, Higgi, erzählen Sie einmal, wie lange dauerte Ihr längster Fall, den Sie für den Yard gelöst haben, Sie haben einen legendären Ruf im Haus.
Higgins: Barbara, Sie wissen ja wohl selbst am besten, wie das so ist, oft dauern die Recherchen, die informelle Arbeit Monate, und die Aktion, wenn man einen hochgehen läßt, wenige Minuten.
Lane: Higgi, was denken Sie wirklich über den Joker?
Higgins: Reynolds war sein fünftes Opfer. Wie viele bisher aber tatsächlich auf sein Konto gehen, können wir nur schätzen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß noch einige andere Unfälle vom Joker inszeniert wurden.
Lane: Von denen Sie gar nichts wissen.
Higgins: Noch nichts.
Lane: Und wie geht’s also weiter?
Higgins: Eine Hoffnung ist dieser Harras.
Lane: Der Portier aus dem Pflegeheim.
Higgins: Ja, Portier und Sekretär im Home of Peace. Vielleicht findet er etwas heraus, womit wir etwas anfangen können, aber ich kann mich natürlich nicht darauf verlassen.
Lane: Bleibt also nur das Montmartre.
Higgins: Genau. Die Nase des Barkeepers gefällt mir ganz und gar nicht. Haben Sie etwas über ihn herausbekommen?
Lane: O ja, er heißt John Carpenter, 46 Jahre alt, geboren in London, es steht nichts besonderes über ihn in den Akten, keine Vorstrafen, allem Anschein nach ein unbeschriebenes Blatt. Er ist übrigens der Besitzer des Lokals.
Higgins: Besitzer und wäscht selbst die Gläser? Merkwürdig.
Lane: Vielleicht will er Personal sparen.
Higgins: Mag ja sein. Barbara, der Abend mit Ihnen war wunderschön, aber so leid es mir tut, muß ich ihn beenden.
Lane: Haben Sie noch etwas besseres vor?
Higgins: Naja nu, ich habe für das Montmartre keinen Durchsuchungsbefehl bekommen, also muß ich mich dort nochmals umsehen, auf meine Art.
Lane: Schau an schau an, wenn das Sir John erfährt.
Higgins: Darauf kann ich im Moment keine Rücksicht nehmen, wir können dem Joker nicht länger tatenlos zusehen. Kann ich Sie irgendwo absetzen?
Lane: Nein danke, ich geh zu Fuß, ein bißchen frische Luft wird mir jetzt sehr gut tun.
Higgins: Schon wieder so spät, o Mann o Mann... Wo sind denn diese Latschen wieder? – Dann wollen wir mal... Das darf doch nicht wahr sein. Was… was zum Teufel machen Sie denn in meinem Bett?
Lane: Sie sollten eigentlich wissen, daß ich von Natur aus sehr neugierig bin, bis morgen hätte ich das doch bestimmt nicht durchgehalten, die Neuigkeiten aus dem Montmartre zu erfahren. Und außerdem dachte ich mir, man könnte den angebrochenen Abend ein wenig äh… verlängern.
Higgins: Aja, das dachten Sie, meine Haustür war da überhaupt kein Hindernis.
Lane: Aber Higgi, ich bin ein Profi.
Higgins: Jaja.
Lane: Möchten Sie einen Drink?
Higgins: Ich hatte zwar schon einen, aber bekanntlich soll man auf zwei Füßen stehen. Schön, daß Sie sich mit meiner Hausbar so schnell angefreundet haben.
Lane: Auf den Joker.
Higgins: Nein, nein, eher auf den Tag, an dem wir ihn geschnappt haben werden. Cheers.
Lane: Cheers.
Higgins: Es gibt Neuigkeiten.
Lane: Hm, da bin ich aber gespannt.
Higgins: Carpenter hört die Gespräche seiner Gäste ab.
Lane: In den Blumengestecken sind Mikrophone eingebaut.
Higgins: Wunderbar, wie schnell Sie schalten. Jetzt ist mir auch klar, wie so jemand über so manches krumme Ding als erster Bescheid weiß.
Lane: Und mit diesem Jemand meinen Sie den Joker.
Higgins: Ohne jeden Zweifel. Das Montmartre ist jetzt für uns die heißeste Adresse.
Lane: Aha, und was ist unser nächster Schritt?
Higgins: Ich muß das morgen mit Sir John besprechen, auf keinen Fall möchte ich etwas überstürzen, überlegen Sie mal, angenommen, Carpenter arbeitet nur für den Joker, wenn wir da den Klub hochgehen lassen, ist der Joker auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Lane: Hm, und wenn Carpenter selbst der Joker ist?
Higgins: Ja, das wäre natürlich die einfachste Lösung. Hm, wissen Sie, daß das gar nicht so eine schlechte Idee war, die Sie da hatten?
Lane: Welche?
Higgins: Den Abend zu verlängern.
Lane: Hm.
Higgins: Rutschen Sie mal ein bißchen.
Lane: Möchtest du noch eine Tasse Tee, Darling?
Higgins: Nein danke. Barbara, hör zu, ich hab mir das anders überlegt, bevor ich Sir John meinen Besuch im Montmartre beichte, fahre ich hinaus ins Home of Peace.
Lane: In dieses Pflegeheim. Du willst nicht warten, bis dieser Portier, dieser Harras sich meldet.
Higgins: Nein nein, die Zeit drängt, sei so lieb und fahr schon voraus in den Yard und sag Sir John Bescheid. Ich komme gegen 12 Uhr nach.
Lane: Wie Sie befehlen, Chiefinspektor. Dank dir für die Nacht.
Higgins: Ich danke dir, Profi.
Lane: Also mach’s gut, bis später... Ah!
Higgins: Barbara, Barbara, was ist los?
Lane: Eine Jolly-Joker-Karte, sogar bis hierher ist er also schon gekommen.
Higgins: Aufgespießt mit diesem Jagdmesser.
Lane: Steht da irgend etwas drauf?
Higgins: Nein, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Warnung ist eindeutig.
Lane: Ja aber wen von uns beiden hat er gemeint?
Higgins: Wahrscheinlich mich, mein Besuch im Montmartre hat sich schneller herumgesprochen als uns lieb ist.
Lane: Sag mal meinst du, daß Carpenter...
Higgins: Wir werden das gleich haben. Hallo Hooper, hören Sie mich, wo sind Sie?
Hooper: Inspektor Higgins, ich bin nach wie vor vor der Wohnung von Carpenter.
Higgins: Hat er heute Nacht das Haus noch einmal verlassen?
Hooper: Nein, Inspektor, er war die ganze Nacht über in seiner Wohnung. Sein Wagen steht ebenfalls vor der Haustür.
Higgins: OK Hooper danke. Ende. Verdammt, Carpenter kann es nicht gewesen sein.
Lane: Ja was wirst du jetzt tun?
Higgins: Wir lassen es wie besprochen, ich fahre ins Home of Peace, und du nimmst dir ein Taxi zum Yard, sie sollen im Labor das Messer und die Karte auf Fingerabdrücke untersuchen, wenn ich auch glaube, daß Sie auch kaum etwas finden werden. Komm, wir gehen.
Lane: OK.
Lady Smith: Was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sie sind Lady Smith, die Leiterin dieses Sanatoriums, ist das richtig?
Lady Smith: Leiterin und Eigentümerin, ganz recht.
Higgins: Also Milady, ich bin mit der Aufklärung eines sehr ernsten und eines sehr mysteriösen Falles beauftragt, Scotland Yard untersucht zur Zeit einige rätselhafte Autounfälle, die in den letzten Wochen p***ert sind. Wir sind dabei zu der Überzeugung gelangt, daß es sich nicht um Unglücksfälle, sondern durchweg um Mordanschläge handelte.
Lady Smith: Ah, Sie meinen jene Fälle, von denen auch schon die Zeitungen berichtet haben.
Higgins: So ist es.
Lady Smith: Und darf ich fragen, wieso Sie damit zu mir kommen?
Higgins: Sie dürfen. Bitte sehen Sie sich diese beiden Fotos einmal an.
Lady Smith: Ja.
Higgins: Sagen Ihnen diese beiden Fotos etwas, Milady?
Lady Smith: Nein, Inspektor.
Higgins: Die Fotos zeigen zwei Unfallopfer. Beide waren angeblich kurz bevor sie umkamen hier in diesem Sanatorium.
Lady Smith: Hier? Das kann ich nicht glauben. Ach, warten Sie bitte, dürfte ich die Fotos noch einmal sehen?
Higgins: Natürlich.
Lady Smith: Doch, den einen kenn ich, den mit der Narbe, das ist Mr. Fletcher. Wissen Sie, die Aufnahme ist nicht besondern gut.
Higgins: Bedauerlicherweise, Milady, entschuldigen Sie.
Lady Smith: Bitte?
Higgins: Ja.
Lady Smith: Ah ja. Sein Vater war bei uns bis zu seinem Tod in Pflege gewesen, und Mr. Fletcher ist so großzügig, uns von Zeit zu Zeit eine finanzielle Zuwendung zu machen, Sie müssen nämlich wissen, daß wir hier auf private Spenden sehr angewiesen sind.
Higgins: Ich verstehe.
Lady Smith: Ja, möglicherweise hat er uns wieder einmal einen Besuch abgestattet, aber da müßte er bei Mr. Harras vorgesprochen haben, hm, nein, den zweiten Mann kenn ich aber mit Sicherheit nicht.
Higgins: Ja. Ja, dann würde ich gerne einmal mit Mr. Harras sprechen.
Lady Smith: Das geht leider nicht. Harras hat heute seinen freien Tag.
Higgins: Achso.
Lady Smith: Aber ich kann Ihnen ja seine Privatnummer geben.
Higgins: Bitte, Milady, halten Sie es für denkbar, daß Mr. Fletcher, oder vielleicht auch Mr. Pelford, das ist der Mann hier auf dem anderen Foto, gar nicht zu Ihnen, sondern vielleicht zu einem der Heiminsassen wollte?
Lady Smith: Ja, das kann ich nicht beurteilen, Inspektor, ich glaube aber nicht, aber Sie können ja einmal meine Schützlinge fragen.
Higgins: Ich würde das sehr gerne tun. Fangen wir doch gleich mit dem älteren Herrn dahinten an, im Rollstuhl, wer ist das?
Lady Smith: Ja, ja, äh Miller?
Miller: Ja?
Lady Smith: Miller, könnten Sie mit Mr. Goldmann einen Augenblick herkommen.
Miller: Ja.
Lady Smith: Das ist Mr. Goldmann, Theodor Goldmann. Er ist erst seit wenigen Wochen bei uns.
Higgins: Mr. Goldmann, entschuldigen Sie, mein Name ist Higgins, Chiefinspektor Higgins.
Goldmann: Goldmann, Theodor Goldmann.
Lady Smith: Verzeihen Sie Mr. Goldmann, der Inspektor hier hätte eine Frage an Sie.
Goldmann: Ja, was kann ich für Sie tun?
Higgins: Sir, sehen Sie sich doch bitte diese beiden Fotos an. Kennen Sie einen der beiden?
Goldmann: Ja, den einen kenn ich.
Higgins: Den mit der Narbe?
Goldmann: Nein, den anderen, den mit der Brille.
Higgins: Pelford also, Mr. Goldmann, woher kennen Sie Pelford?
Goldmann: Er war einmal hier, vor ein paar Woche glaub ich, ich hab ihn nur kurz gesehen, was oder zu wem er wollte kann ich Ihnen auch nicht sagen, und jetzt entschuldigen Sie mich, Inspektor, Miller, fahren Sie mich ins Haus.
Higgins: Danke, Mr. Goldmann. Wie erklären Sie sich das, Milady?
Lady Smith: Ja, ich weiß auch nicht, ich kann meine Augen ja nicht überall haben.
Higgins: Natürlich nicht, Pelford muß also zu einem Ihrer Patienten gewollt haben.
Lady Smith: Ja vielleicht, was weiß ich.
Higgins: Na gut, Milady, das wär’s fürs erste. Falls ich noch Fragen haben sollte, werde ich mir erlauben, nochmals bei Ihnen vorbeizusehen.
Lady Smith: Ja, tun Sie das, Inspektor. Inspektor?
Higgins: Milady?
Lady Smith: Ja, übrigens, wer sagte Ihnen eigentlich, daß diese beiden Herren bei mir gewesen sein sollen?
Higgins: Mr. Harras, er besuchte uns im Yard. Auf Wiedersehen, Milady.
Lady Smith: Auf Wiedersehen.
Sir John: Ja.
Higgins: Hallo, Sir John?
Sir John: Na endlich, Higgins, wo stecken Sie denn?
Higgins: In einer Telefonzelle in der Shaftsbury Avenue. Ich habe mich im Sanatorium umgesehen, Sir, und mit Lady Smith gesprochen.
Sir John: Ja, ja, was haben Sie für einen Eindruck?
Higgins: Einen sehr zwiespältigen. Sie kennt Fletcher, aber das gab sie nicht gleich zu, behauptet, er sei ein Förderer des Sanatoriums. Ein älterer Heiminsasse, ein gewisser Goldmann, bestätigte jedoch, daß auch Pelford dort einmal aufgetaucht ist. Im Moment kann ich mir aber noch keinen rechten Reim darauf machen. Übrigens, ist Superintendant Lane schon bei Ihnen, kann ich sie mal sprechen?
Sir John: Das können Sie nicht, sie ist nicht da, aber sie hat angerufen, sie wird sich etwas verspäten. Hören Sie mal, Miss Lane hat mir schon von Ihrem nächtlichen Ausflug ins Montmartre berichtet, also Higgins, Sie wissen, daß ich diese Eigenmächtigkeiten von Ihnen gar nicht schätze, ich repräsentiere als Chef den Yard auch nach außen, und wenn jeder meiner Inspektoren...
Higgins: Weg! Gehen Sie in Deckung!
Hooper: Hände hoch, keine Bewegung!
Higgins: Nur keine Panik, Jungs, Jungs.
Hooper: Tschuldigen Sie vielmals, Chiefinspektor.
Higgins: Ja ist ja schon gut. Geben Sie sofort eine Fahndung nach dem schwarzen Jaguar XJ 12 raus.
Hooper: Achtung, an alle Streifenwagen, gesucht wird ein schwarzer Jaguar XJ 12.
Higgins: Entfernt sich von der Shaftsbury Avenue nach Norden, wahrscheinlich Richtung Regents Park.
Higgins: Besondere Kennzeichen: Verdunkelte Scheiben. Bei Sichtkontakt anhalten und den Fahrer unverzüglich festnehmen.
Higgins: Vorsicht, der Mann ist bewaffnet und macht ohne Bedenken von der Schußwaffe Gebrauch. Ende. Hallo, Sir John, Sir John bitte kommen.
Sir John: Higgins, was war denn los?
Higgins: Sitzen Sie?
Sir John: Ja.
Higgins: Sie haben sich soeben die Begräbniskosten für einen Ihrer Chiefinspektoren erspart.
Sir John: Der Joker?
Higgins: Genau. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Ich habe die Fahndung schon ausgegeben.
Sir John: Ja was sind denn das für Sachen, Higgins. Ich hab auch schlechte Nachrichten, der Amerikaner, wie hieß der noch?
Higgins: Silkwood, Sir.
Sir John: Ach ja, dieser Silkwood und seine Kumpanen haben unsere Leute abgehängt.
Higgins: Verdammt, heute geht aber auch alles schief. Ich komm in den Yard.
Sir John: Nein, nein, warten Sie, Mr. Harras hat heute früh noch mal angerufen, Sie sollen zu ihm in die Privatwohnung kommen, er wohnt in der Kingsroad Nummer 4.
Higgins: Ich bin schon unterwegs, Sir. - Mr. Harras, sind Sie zuhause? – Hallo, Mr. Harras? – Mr. Harras? – Mein Gott!
Lady Smith: Meine Herren, darf ich erfahren, welchem Umstand ich diese rüde Vorladung zu verdanken habe?
Higgins: Kam sie wirklich so unerwartet, Milady?
Sir John: Higgins, kommen Sie zur Sache.
Higgins: Sie verdanken die Vorladung dem Umstand, Milady, daß Ihr Portier seit gestern auf Eis liegt, im Leichenschauhaus.
Lady Smith: Harras? Wie ist das möglich?
Higgins: Man hat ihn in seinem Badezimmer solange unter Wasser getaucht, bis der Tod eintrat, seinen freien Tag hat er sich wahrscheinlich anders vorgestellt.
Lady Smith: Ja aber das ist ja entsetzlich.
Higgins: Da sind wir zufällig einer Meinung Milady, ich finde es aber auch entsetzlich, daß dieser scheußliche Mord keine zwei Stunden nach meinem Besuch in Ihrem Sanatorium von mir entdeckt wurde, nachdem ich Ihnen mitteilte, daß Harras uns wegen der Besuche von Pelford und Fletcher im Home of Peace aufgesucht hat. Sie werden sicherlich verstehen, welche Rückschlüsse für mich da naheliegend sind.
Lady Smith: Inspektor, soll das heißen, Sie unterstellen mir irgendeine Verbindung zu diesem Mord? Zwei Stunden dürften wohl ein wenig knapp bemessen sein, um einen Mordplan zu fassen und auszuführen.
Higgins: Das Argument klingt plausibel, haben Sie vielleicht schon Ihren Rechtsbeistand konsultiert?
Lady Smith: Ich verbitte mir diesen Ton.
Sir John: Higgins! Behalten Sie bitte Platz, Lady Smith.
Higgins: Sie haben mich nicht ausreden lassen. Ich sagte vorhin, daß zwischen meinem Besuch bei Ihnen und dem Entdecken der Leiche etwa zwei Stunden lagen, die Obduktion hat allerdings ergeben, daß der Mord in der Nacht p***erte, so zwischen 1 und 2 Uhr morgens.
Lady Smith: Na also, sehen Sie.
Higgins: Ja, nur beweist das nichts. Harras hatte vorgestern gegen 15 Uhr Dienstschluß und war um ca. 16 Uhr bei uns. Einer ihrer Heiminsassen hat uns gegenüber bestätigt, daß kurz nach Harras auch Ihr Pfleger Mr. Miller das Heim verlassen hat.
Lady Smith: Wer hat das denn behauptet?
Higgins: Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen, der Mord an Harras, der reicht mir fürs erste.
Lady Smith: Inspektor, ich werde mich an höchster Stelle über Sie beschweren, wenn Sie mir weiterhin in diesem Ton die Ermordung von Mr. Harras anlasten.
Higgins: Tun Sie das, Milady, und Sie können gleich damit anfangen. Ich hoffe, daß Ihr Pfleger ein stichfestes Alibi hat, denn wenn nicht, und wenn ich dahinterkommen sollte, daß er Harras zum Yard gefolgt ist, nehme ich ihn eigenhändig auseinander, das versichere ich Ihnen.
Lady Smith: Sie haben doch nicht den geringsten Beweis in der Hand, Inspektor, Sie tappen im Dunkeln und wollen mich belasten, weil das für Sie der einfachste Weg ist.
Higgins: Milady, wir haben eine ganze Reihe ungelöster Todesfälle, und wenn ich auf der Stelle trete, so verdirbt mir das die Laune.
Sir John: Higgins.
Higgins: Ich versichere Ihnen eines: Sollte ich nur ein einziges Indiz finden, das Sie und Ihr Sanatorium in Zusammenhang mit dieser Mordserie bringt, dann gnade Ihnen Gott.
Lady Smith: Ich sehe schon, ich werde das Gespräch über meinen Anwalt fortsetzen. Kann ich jetzt gehen?
Higgins: Sie können gehen, Lady Smith. Ich frage mich nur, ob der Joker auch so großzügig ist.
Lady Smith: Sir John, auf Ihren Inspektor, diesen Proleten, dürfen Sie sich wirklich etwas einbilden.
Lane: Eine temperamentvolle Lady.
Higgins: Blöde Kuh.
Sir John: Higgins, Sie sind wohl nicht ganz bei Trost, hier so eine Show abzuziehen. Auf die Interventionen von oben kann ich mich jetzt schon freuen.
Higgins: Ach, darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Überlegen Sie doch, Sir John, wir tappen im Dunkeln wegen dieser Mordserie, und da kommt dieser Portier daher, und identifiziert zwei der Opfer einwandfrei, und neun Stunden später ist er tot. Wollen Sie mir vielleicht weis machen, das sei Zufall?
Sir John: Nein, aber... Ja, Hallo? Ja, für Sie, Higgins.
Higgins: Danke. Ja. Ja, Higgins?
Stimme: Sie sind gestern noch einmal davongekommen, Chiefinspektor, das sollte Ihnen eine Warnung sein, ich gebe Ihnen einen guten Rat, lassen Sie mich in Ruhe arbeiten, sonst könnte es sein, daß Sie Ihre hübsche Freundin eines Tages nur noch anhand ihrer Ausweispapiere identifizieren können.
Higgins: Hallo? Hallo? Verdammt. Mist, verdammter.
Sir John: Wer war das?
Higgins: Na dreimal dürfen Sie raten.
Sir John: Bin ich allwissend?
Higgins: Unser Freund.
Sir John: Doch nicht etwa der Joker?
Higgins: Doch.
Sir John: Und was wollte er?
Higgins: Mir sicherlich kein langes Leben wünschen. Superintendant Lane hat er auch bedroht.
Sir John: Da haben Sie’s. Und Sie nehmen hier Lady Smith auseinander.
Higgins: Ja finden Sie das nicht merkwürdig?
Sir John: Was soll ich merkwürdig finden?
Higgins: Wir laden Lady Smith vor, und fast zur selben Zeit meldet sich der Joker telefonisch.
Lane: Du meinst, es war vielleicht nur ein Strohmann?
Higgins: Sicherlich natürlich, um uns zu verwirren.
Sir John: Sie duzen sich bereits. Das ist ja alles sehr hilfreich. Hören Sie zu, Higgins, hören Sie ein einziges Mal auf mich.
Higgins: Ich höre doch.
Sir John: Sie halten doch nicht etwa Lady Smith für den Joker? Das können Sie mir doch nicht antun, ein Jahr vor meiner Pensionierung.
Higgins: Sir John, ich versichere Ihnen, Ihre Pension ist in keinster Weise gefährdet.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Aber jetzt nicht.
Ann Pattison: Sir John.
Higgins: Hören Sie, ich muß mir Klarheit verschaffen über die Vorgänge im Sanatorium, und das wäre ein Job für dich, Barbara, aber keineswegs ungefährlich.
Lane: Hm, könntest du dich etwas klarer ausdrücken?
Higgins: Hör zu, Lady Smith hat dich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen, das war auch der Grund, warum du nebenan warten solltest, nehmen wir jetzt einmal an, du bist Journalistin und schreibst einen Report über die Lebensverhältnisse unserer älteren Mitbürger, damit hättest du einen plausiblen Grund, ausführlich mit den Leuten im Home of Peace zu reden.
Lane: Und an welche Zeitung hast du gedacht?
Higgins: Ja nu mein Gott, den Daily Telegraf, ich kenne den Chefredakteur, der soll da selbst anrufen und deinen Besuch ankündigen, so halten wir das Risiko gering, sollte Lady Smith auf die Idee kommen, zurückzurufen. Wären Sie damit einverstanden, Sir John?
Sir John: Naja, wenn sich Miss Lane dazu bereiterklärt.
Higgins: Barbara.
Sir John: Ich werde dich nicht enttäuschen.
Higgins: Danke, Profi.
Higgins: Häh, 5 Uhr, wer zum Teufel, wem fällt... ja hier Higgins, was gibt’s?
Hooper: Mr. Higgins, hier Seargent Hooper.
Higgins: Ja?
Hooper: Tut mir leid, Sie so früh wecken zu müssen, aber Carpenter verläßt soeben seine Wohnung, und das ist reichlich ungewöhnlich, er nimmt den Range Rover.
Higgins: Was, so früh? Also gut, Hooper, hängen Sie sich dran, und melden Sie sich wieder, Ende.
Higgins: Ja, Higgins hier.
Hooper: Hier Seargent Hooper.
Higgins: Was gibt’s neues?
Hooper: Carpenter hat auf offener Landstraße gehalten und steht schon ne halbe Stunde da.
Higgins: Merkwürdig. Entweder wartet er auf jemand, oder er hat Sie entdeckt und will Sie nur in die Irre führen.
Hooper: Warten Sie, Inspektor, jetzt nähert sich dem Rover ein Wagen, ich glaube, ja, er verlangsamt sein Tempo. Tatsächlich, er bleibt neben dem Rover stehen.
Higgins: Können Sie die Marke erkennen?
Hooper: Das ist ne schwarze Limousine, ein Jaguar. Carpenter reicht ihm etwas durchs Fenster.
Higgins: Hören Sie zu Hooper, das ist unser Mann, vergessen Sie Carpenter und fol-gen Sie dem Jaguar. Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen, ich komme sofort. Ende.
Hooper: Er war plötzlich wie von Erdboden verschluckt, ich hab so was noch nie erlebt, Chiefinspektor.
Higgins: Hier in diesem Planquadrat haben Sie ihn verloren.
Hooper: Ja, ich hatte noch die Kollegen verständigt, ein paar Augenblicke später hätten wir ihn einkreisen können, aber der fuhr plötzlich in eine Hauseinfahrt und auf der Hinterseite wieder raus, es war mir völlig unmöglich, ihm so rasch zu folgen.
Higgins: Hooper, nun beruhigen Sie sich doch, ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf. Nur wäre es zu schön gewesen. Passen Sie auf, Sie legen sich aufs Ohr, Sie haben die letzten 48 Stunden nicht viel geschlafen.
Hooper: Vielen Dank, Chiefinspektor.
Higgins: Schon gut, ich werde mir diese Gegend mal ein wenig genauer ansehen.
Tankwirtin: Guten Morgen Sir.
Higgins: Guten Morgen.
Tankwirtin: Was soll’s sein?
Higgins: Sind Sie so nett und tanken Sie voll.
Tankwirtin: Ja.
Higgins: Nicht viel Betrieb hier heute, nicht.
Tankwirtin: Nein, ein Wunder, daß in dieser gottverlassenen Gegend überhaupt mal jemand stehen bleibt.
Higgins: In der alten Hochgarage dahinten, sind da noch viele Wagen abgestellt?
Tankwirtin: In dem alten Ding? Ja, zwei Dutzend vielleicht. Das ganze Gebäude sollte schon vor Jahren abgerissen werden. Ja, ich geh ja sowieso bald in Rente, dann sollen die doch sehen, wie sie zurechtkommen. Warum fragen Sie eigentlich.
Higgins: Ach ja, nur so. Wem gehört die Garage überhaupt?
Tankwirtin: Wem sie gehört, weiß ich gar nicht. Mr. Tanner macht hier das Geschäftliche. Den können Sie fragen.
Higgins: Mr. Tanner? Wissen Sie, ob er jetzt da ist?
Tankwirtin: Ja, er kommt meistens schon vor 7, bleibt bis in die Nacht. Auch so ein alter Spinner. Sein Büro ist in der 4. Etage.
Higgins: Hm, ich sag ihm mal guten Tag. Ach, kontrollieren Sie inzwischen bitte das Öl und die Reifen.
Tankwirtin: Ja, ja, Sie können den Aufzug hinten links benutzen, wenn’s das alte Ding überhaupt noch tut.
Higgins: Hoffen wir’s.
Tanner: Ja.
Higgins: Mr. Tanner?
Tanner: Sie wünschen?
Higgins: Ich bin Inspektor Higgins von Scotland Yard.
Tanner: Was wollen Sie?
Higgins: Ich hätte gerne einige Auskünfte.
Tanner: Worüber?
Higgins: Ich suche ein Auto.
Tanner: Soso.
Higgins: Ja, eine Limousine Marke Jaguar, schwarz lackiert.
Tanner: Ja und warum kommen Sie da zu mir? Ich bin kein Gebrauchtwagenhändler.
Higgins: Mr. Tanner, ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie sich ein paar Minuten von Ihrer Arbeit trennen und mir zuhören würden. Eine Frage, Mr. Tanner, lesen Sie Zeitung?
Tanner: Eigentlich nicht, viel Arbeit hier.
Higgins: Ja, dann haben Sie auch noch nie etwas vom Joker gehört.
Tanner: Nein, wer soll das sein?
Higgins: Mr. Tanner, um es kurz zu machen, Scotland Yard, und das bin in diesem Falle ich, wir versuchen einem der gefährlichsten Verbrecher auf die Spur zu kommen, aber wir haben nicht den geringsten Hinweis auf seine Identität. Wir wissen nur eines: Er fährt einen dunklen Jaguar aus der XJ 6er oder 12er Serie, deshalb meine Frage: Ist ein Fahrzeug dieses Typs in Ihrer Garage untergestellt?
Tanner: Jaguar? Warten Sie, natürlich, drei sogar, ein alter Sportwagen der Type E, ein weißer Vierzylinder, und dann natürlich Mr. Goldmanns Privatwagen.
Higgins: Privatwagen. Und wer bitte ist Mr. Goldmann?
Tanner: Ja der Eigentümer dieser Garage.
Higgins: Ich dachte, die Garage gehört Ihnen.
Tanner: Mir? Ich bin ein alter Mann, Inspektor, ich verdien mir hier ein paar Kröten zu meiner miesen Rente.
Higgins: Und Sie sagen, Mr. Goldmanns Wagen ist ein Jaguar.
Tanner: Ja, er wurde aber seit mehr als 2 Jahren nicht mehr gefahren. Seit Mr. Goldmann eben das letzte Mal in London war.
Higgins: Er lebt im Ausland?
Tanner: Ja, die Goldmann Industries haben ihren Sitz in Hongkong, und Mr. Goldmann...
Higgins: Wie heißt er mit Vornamen?
Tanner: Soviel ich weiß, Anton, also Mr. Goldmann kümmert sich wohl um alles, außer um diese alte Hochgarage und die Tankstelle. Hier bin ich Mädchen für alles.
Higgins: Ja, ja, ich verstehe. Auf diesem Bild hier, ist das Mr. Goldmann, Mr. Anton Goldmann?
Tanner: Ja, das ist Mr. Anton Goldmann.
Higgins: Mr. Tanner, ich danke Ihnen fürs erste und ich habe auch im Moment keine Fragen mehr. Aber ich würde mir gerne einmal diesen Jaguar von Mr. Goldmann ansehen.
Tanner: Tun Sie, was Sie nicht lassen können, er steht in der 3. Etage, ich nehme an, Sie finden den Weg alleine.
Higgins: Durchaus. Haben Sie nochmals vielen Dank, Mr. Tanner. – Verdammt.
Tanner: Was machen Sie da? Das ist eine Alarmanlage gegen Diebe. Darf ich wissen, was Sie da gemacht haben? Ich sagte, Sie können sich den Wagen einmal ansehen, von einer Spazierfahrt war nicht die Rede...
Higgins: Ich...Mister...
Tanner: Oder haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?
Higgins: Noch nicht.
Tanner: Darf ich wissen, wer Ihr Vorgesetzter ist, Chiefinspektor?
Higgins: Wenn Sie Beschwerden haben, Mr. Tanner, und die haben Sie ja wohl, wenden Sie sich an Sir John.
Sir John: Und Sie halten diese Garage wirklich für einen Schlupfwinkel des Jokers?
Higgins: Hm, es sieht fast so aus. Überlegen Sie einmal, Sir John, Hooper hat den Wagen in der Nähe der Demmem-Road aus den Augen verloren. Weit und breit gibt es nichts als Abbruchhäuser, desolate Gebäude und geschlossene Geschäfte.
Sir John: Trotzdem. Trotzdem. Es ist ebenso gut denkbar, daß der Joker unseren guten Hooper genarrt hat und in eine völlig andere Richtung weitergefahren ist.
Higgins: Auf jeden Fall laß ich diese Hochgarage Tag und Nacht beobachten. Unsere Leute sollen vor allem darauf achten, ob ein schwarzer Jaguar die Garage verläßt.
Sir John: Ja was wollen Sie denn mit den beiden alten Herrschaften in der Garage anfangen, glauben Sie etwa, daß einer von den beiden der Joker ist?
Higgins: Nein, das nicht gerade, aber sie könnten mit ihm unter einer Decke stecken. Tanner war nicht gerade begeistert, als ich den Jaguar untersuchte.
Sir John: Wozu Sie im übrigen auch kein Recht hatten. Also ich finde, Sie sind im Moment nicht gerade sehr erfolgreich, Higgins.
Higgins: Danke, Sir.
Sir John: Ich habe mir zudem einige Zahlen geben lassen, die Sie nicht gerade begeistern werden. Da, in London sind derzeit rund 19.000 Leiland-Fahrzeuge der Marke Jaguar gemeldet, davon fast 6000 aus der XJ-Serie. Eine fast hoffnungslose Aufgabe, aufgrund des Fahrzeugtyps den Joker ausfindig zu machen.
Higgins: Eben, und deshalb meine ich, wir sollten uns lieber an die Fakten halten. Rekapitulieren wir einmal.
Sir John: Aber Higgings, wenn Sie mich fragen, Sie haben überhaupt nichts konkretes in der Hand.
Higgins: Sir John, bitte, jetzt hören Sie mir einmal zu. Wir haben zunächst einmal Lady Smith, von der erwiesen ist, daß sie von zwei späteren Opfern des Jokers besucht wurde, das ist immerhin ein Anhaltspunkt. Ich hoffe, daß uns Miss Lane weiterbringt. Und dann haben wir seit heute diesen merkwürdigen Tanner. Ich möchte nicht ausschließen, daß in seiner Garage der Wagen des Jokers steht.
Sir John: Naja. Wie alt, sagten Sie, ist Tanner?
Higgins: Einiges über 70, Sir.
Sir John: Naja, das spricht ja wohl für sich.
Ann Pattison: Sir John, es ist Zeit für Ihre Tabletten.
Sir John: Ja, aber nicht jetzt.
Ann Pattison: Sir John, bitte.
Higgins: Der nächste ist Carpenter. Ich bin überzeugt, daß er sich heute in den frühen Morgenstunden mit dem Joker getroffen hat. Ich habe schon einmal betont, daß ich Carpenter unter keinen Umständen zu früh festnehmen will, je weniger er sich beobachtet fühlt, um so besser für uns.
Sir John: Ja und dann wäre da noch der Amerikaner, dieser...
Higgins: Silkwood.
Sir John: Ja.
Higgins: Er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Und jetzt frage ich mich, was hat er vor. Ich glaube, wir können davon ausgehen, daß Silkwood und der Joker nicht identisch sind.
Sir John: Bleibt auch noch die Frage, warum Harras ermordet wurde.
Higgins: Richtig, Sir. Darf ich mir einen Whisky nehmen?
Sir John: Ja, ich bitte darum.
Higgins: Sie auch?
Sir John: Ja, aber ohne Eis.
Higgins: Seit heute Vormittag hat sich noch ein völlig neuer Aspekt ergeben, dem wir nachgehen sollten. Wissen Sie, wer der Eigentümer der Garage ist?
Sir John: Nein.
Higgins: Ein gewisser Anton Goldmann.
Sir John: Ja und? Was ist daran so ungewöhnlich?
Higgins: Goldmann hieß auch der alte Mann im Rollstuhl in Lady Smith Sanatorium, Theodor Goldmann.
Sir John: A Goldmann, an dem Namen ist doch nichts ungewöhnliches. Ich kenne viele mit dem Namen Goldmann.
Higgins: Ja, aber die beiden haben deutsche Vornamen Sir, Anton und Theodor.
Sir John: Danke. Haben Sie mit diesem Anton Goldmann gesprochen?
Higgins: Nein, der sitzt angeblich in Hongkong, ist Inhaber der Goldmann Industries, offenbar ein größerer Konzern, in Tanners Büro hängt ein Bild von ihm.
Sir John: Ja und? Irgendwelche Ähnlichkeiten mit dem Mann im Sanatorium?
Higgins: Nein, leider nicht, nicht die geringste.
Sir John: Na sehen Sie, an Ihrer Stelle würde ich zusehen, den Amerikaner wiederzufinden, anstatt in dieser Garage irgendwelchen Hirngespinsten nachzulaufen.
Higgins: Cheers.
Sir John: Ja, zum Wohl.
Higgins: Aber irgend etwas macht mich stutzig. Ich stellte mich Tanner als Inspektor Higgins vor, irgendwann während des Gesprächs sagte Tanner Chiefinspektor zu mir, finden Sie das nicht etwas seltsam, Sir John?
Sir John: Kann doch Zufall sein.
Higgins: Aber trotzdem, der Sache mit den Goldmanns werd ich auf den Grund gehen, Miss Lane muß mir hier helfen, sie soll den Theodor Goldmann, den Mann im Rollstuhl, etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Lane: Hallo Darling.
Higgins: Hallo. Na, wie war’s, hast du was rausgekriegt in deinem Home of Peace?
Lane: Hm, du hattest recht mit deiner Vermutung, Goldmann hatte einen Bruder, er hatte. Maximilian starb vor Jahren an Krebs.
Higgins: Schon wieder so ein deutscher Name.
Lane: Ich habe mir hier ein Foto ausgeborgt, du, sieh dir das mal an, die beiden sind sich wie aus dem Gesicht geschnitten, findest du nicht?
Higgins: Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Die beiden müssen Zwillingsbrüder gewesen sein. Eine Gewißheit haben wir jetzt, Goldmanns Bruder ist nicht der Mann in Tanners Büro. Ich fürchte, ich habe mich diesmal geirrt.
Lane: Mr. Goldmann ist viel in der Welt herumgekommen und will bei Lady Smith seinen Lebensabend verbringen, manchmal wirkt er ruhig und gemütlich, dann wieder höchst wachsam und mißtrauisch, schwer zu durchschauen. Ich habe mit ihm eine Partie Schach gespielt.
Higgins: A ja, wer hat gewonnen?
Lane: Remi.
Higgins: Aha. Hat Lady Smith Verdacht geschöpft?
Lane: Bestimmt nicht, sie war sehr zuvorkommend, ich habe mit nahezu allen Einsassen sprechen können, man hat den Eindruck, sie fühlen sich alle recht wohl dort.
Higgins: Hast du noch etwas über Pelford und Fletcher herausbekommen?
Lane: Nein, leider nein. Über interne Vorgänge im Sanatorium sind die Leute offenbar völlig ahnungslos, und an Lady Smiths Priva***rlagen, da kam ich noch nicht ran, sie bewahrt alles in einem Safe auf.
Higgins: Hm, ich geb was drum, wenn ich da mal reinkucken könnte.
Lane: Hm, ich werd’s für dich versuchen.
Higgins: Aber Darling, ich bitte dich.
Lane: Ich weiß, ich weiß, ich bin vorsichtig.
Higgins: Ein Durchsuchungsbefehl ist bei Lady Smith nicht drin, da spielt Sir John nicht mit, ich selbst muß mich noch um Tanner kümmern.
Lane: Tu das, Higgi.
Higgins: Der Mann geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Lane: Also, ich muß zurück in mein Altersheim. Machs gut.
Higgins: Sei vorsichtig, Profi.
Lane: Du auch, Profi.
Stimme: Achtung, Achtung, bewaffneter Überfall auf Juweliergeschäft am Eaton-Square, es gab ein Todesopfer, alle verfügbaren Einsatzkräfte bitte sofort an den Tatort.
Higgins: Das darf doch nicht wahr sein.
Sir John: Ah, Tag Higgins.
Higgins: Sir John.
Sir John: Nun sehen Sie sich das einmal an, das ist übrigens Mr. Short, der Besitzer.
Short: Guten Tag.
Higgins: Mr. Short, dann erzählen Sie mal.
Short: Ja, es ging alles furchtbar schnell, mein Angestellter und ich waren gerade hier im Laden, und berieten einige Kunden, als an der Hintertür eine Explosion erfolgte. Ich sah noch, wie der Wächter niedergeschlagen wurde, und dann stürmten sie auch schon herein, schwer bewaffnet, wir mußten alle die Hände in die Höhe nehmen.
Higgins: Wie sahen die Kerle aus?
Short: Ja, sie hatten dunkle Mäntel an und so weiße Gesichtsmasken aufgesetzt, als ich den Safe nicht sofort öffnen wollte, haben sie meinen Angestellten einfach über den Haufen geschossen.
Sir John: Ja hätte sich das nicht vermeiden lassen, Mr. Short, Sie sind doch versichert.
Short: Ich war im ersten Moment so überrascht, und ich wußte auch nicht, ob sie wirklich schießen würden, im Safe waren immerhin Rohdiamanten im Wert von einer halben Million Pfund.
Higgins: Konnten Sie erkennen, mit welchem Auto sie geflüchtet sind?
Short: Ja, den Fluchtwagen konnte ich sehr genau erkennen, es war ein brauner Chevrolet Kombi, Baujahr so 77/78, er fuhr vielleicht 2 Minuten, nachdem die Kerle das Lokal gestürmt hatten, vor.
Sir John: Die Fahndung ist bereits draußen.
Higgins: Gut. Sir John, ich muß Sie unter 4 Augen sprechen. Entschuldigen Sie uns, Mr. Short.
Short: Aber bitte schön.
Sir John: Nun?
Higgins: Ich gehe jede Wette ein, daß der Amerikaner hinter dem Überfall steckt. Das ist haargenau seine Arbeitsweise.
Sir John: Und was wollen Sie unternehmen?
Higgins: Der Amerikaner hat eine Beute von 500.000 Pfund gemacht, ab dieser Stunde, da gehe ich jede Wette ein, befindet er sich im Fadenkreuz des Jokers.
Sir John: Sie meinen, es kommt zur großen Konfrontation.
Higgins: Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Joker erledigt Silkwood und seine Leute, dann haben wir ein Problem weniger, oder der Amerikaner ist schlauer und trickst den Joker aus, dann hätte er geschafft, was uns bisher nicht gelungen ist. Ich glaube aber eher, daß Tom Silkwood und seine Leute noch ihr blaues Wunder erleben werden.
Sir John: Nun malen Sie mal nicht den Teufel an die Wand, Higgins.
Ann Pattison: Sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, Sir John.
Sir John: Sie haben leicht reden, Kindchen. Die Morde des Jokers, der Überfall auf Shorts Juweliergeschäft, und nicht zu vergessen der Anschlag auf Higgins, wissen Sie, Higgins hat bisher noch jeden seiner Fälle gelöst, und Miss Lane ist eine sehr tüchtige Mitarbeiterin.
Ann Pattison: Ja, sehr tüchtig.
Sir John: Aber ich fürchte, daß Higgins im Joker seinen Meister gefunden hat. Und wissen Sie, Ann, ein Gedanke beunruhigt mich zu tief.
Ann Pattison: Welcher, Sir John?
Sir John: Daß er sich diesmal irrt, daß keine der Personen, die er verdächtigt, der Joker ist, daß es jemand völlig unbekanntes ist, oder, was noch schlimmer wäre, daß es jemand ist, der unter uns weilt, jemand, den wir alle kennen.
Higgins: Guten Abend, Sir John.
Sir John: Ah, guten Abend, Higgins, daß Sie sich auch mal wieder blicken lassen, ja, gibt’s was Neues?
Higgins: Ja, das Telex aus Hongkong.
Sir John: Telex? Hongkong?
Higgins: Ich hatte in Hongkong Auskünfte über Goldmann eingeholt, hier ist die Antwort und ein Bild von ihm.
Sir John: Na, Ann, dann machen Sie uns bitte mal zwei Whisky, oder sagen wir besser drei, ich spendiere ihnen auch einen.
Ann Pattison: Vielen Dank, Sir John.
Sir John: Na, nun zeigen Sie schon her, Higgins, machen Sie es doch nicht immer so spannend. Anton Goldmann, geb. am 4. März 1921 in London, Goldmann liquidierte Industries Hongkong im Januar 1982, Verkaufserlös wahrscheinlich nach Europa transferiert, genauer Aufenthaltsort von Anton Goldmann unbekannt, vermutlich noch Hongkong. Weitere Daten nicht verfügbar.
Higgins: Ja, und das ist sein Foto.
Sir John: Ja und? Ist das identisch mit dem in Tanners Büro?
Higgins: Zweifellos, das ist er.
Sir John: Na sehen Sie.
Ann Pattison: Ihr Whisky, Sir.
Sir John: Danke.
Ann Pattison: Ohne Eis. Bitte Higgins.
Higgins: Danke.
Sir John: Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, daß das nichts bringt, Ihre Wahnideen mit dem alten Tanner können Sie ein für alle mal begraben.
Higgins: Trotzdem hatte ich das Gefühl, daß an der Sache etwas faul ist, die Informationen aus Hongkong waren nicht gerade sehr ergiebig, und deshalb habe ich das Foto vorhin durch unseren Computer laufen lassen, zur Identifikation.
Sir John: Ja und?
Higgins: Das Foto zeigt nicht Anton Goldmann, sondern Guliano Montaldo.
Sir John: Guliano Montaldo?
Higgins: Geboren 1931 in Neapel.
Sir John: Ja was soll das heißen, Higgins?
Higgins: Das heißt, daß der Mann, dessen Bild in Tanners Büro hängt, nicht Anton Goldmann ist, und das heißt weiter, der Mann im Rollstuhl ist möglicherweise doch der Bruder des Eigentümers der Garage. Cheers.
Rogers: Sir John, Inspektor, würden Sie bitte mit mir kommen.
Higgins: Schießen Sie los, Rogers.
Rogers: Wir haben insgesamt 5 Tote. Einer von ihnen ist zweifelsfrei Tom Silkwood, den hat’s hier vorne erwischt.
Sir John: Ist ja grauenhaft.
Rogers: Die anderen vier dahinten, das waren höchstwahrscheinlich seine Komplizen. Wir konnten Sie aber noch nicht identifizieren, zwei von ihnen sind bis zur Unkenntlichkeit verkohlt.
Higgins: Sagen Sie, Rogers, weiß man schon, welche Waffe verwendet wurde?
Rogers: Alles deutet auf ein Maschinengewehr der Marke Rammington hin, ein älteres Modell, wie es auch von den Amerikanern im Vietnam verwendet wurde, Kaliber 7,9 mm, Reichweite 4000 Meter bei 1000 Schuß pro Minute. Und so was eingesetzt aus einer Entfernung von nicht einmal 150 Metern. Die Leute wurden regelrecht abgeschlachtet. Der Wagen ist auch dementsprechend zugerichtet.
Higgins: Ich war Tom Silkwood zwar auf den Fersen, aber ein so grauenvolles Ende hätte ich ihm trotz allem lieber erspart.
Rogers: Ganz recht, Inspektor. Ich kann mich nicht erinnern, daß in England eine Waffe dieser Größenordnung bei einer Gangsterfehde je zum Einsatz kam.
Higgins: Wie hat dich das ganze Ihrer Meinung nach abgespielt im Detail?
Rogers: Also, Silkwood und seine Leute hatten hier, auf dieser Waldlichtung offenbar mit einer uns unbekannten Person ein Treffen vereinbart, eine Geldübergabe oder etwas ähnliches, wir haben neben Silkwoods Leiche einen leeren Koffer gefunden. Sie gerieten dann alle in den Kugelhagel einer Person, die mit einem Wagen, offenbar schon früher, da vorn hinter dem Gebüsch postiert war, in diesem Wagen muß sich auch das MG befunden haben. Ein weiterer Wagen muß aber vorne am Waldweg gestanden haben, sonst wäre nicht erklärbar, wieso Silkwood ausgerechnet an dieser Stelle erschossen wurde.
Higgins: Sonst irgendwelche Anhaltspunkte?
Rogers: Ja, also zunächst etwas sehr merkwürdiges. Bei dem Koffer neben Silkwood fanden wir diese Spielkarte.
Sir John: Aha, ein Jolly Joker, also doch, hätte mich ja gewundert, und sonst noch was?
Rogers: Ja, die Reifenspuren natürlich.
Higgins: Gibt es schon Hinweise auf die Fahrzeugtypen?
Rogers: Der hinterm Gebüsch war wahrscheinlich ein Jeep.
Higgins: Vielleicht ein Range Rover?
Rogers: Durchaus möglich.
Higgins: Und der andere?
Rogers: Ist im Moment schwer zu sagen.
Higgins: Könnte es ein Jaguar gewesen sein?
Rogers: Ich möchte es nicht ausschließen. Genaueres werden wir aber erst später wissen.
Higgins: Gut, Rogers, vielen Dank fürs erste, machen Sie hier weiter mit der Spurensicherung, und wenn’s die ganze Nacht dauert, informieren Sie mich umgehend, wenn Sie etwas neues haben.
Rogers: OK, Sir.
Sir John: Na, Higgins, w